Im Kreis gedacht

28. Sep 2021 | Kreislaufwirtschaft

Kunststoff im Kreislauf: Herausforderung und Chance!

Kein anderes Material ist ein so wichtiger Alltagshelfer und so vielseitig in seinen Anwendungen wie Kunststoff. Seit gut 100 Jahren profitiert die Welt von den Vorteilen des Materials: Kunststoffe helfen uns, Lebensmittel zu konservieren, Leben zu retten und Häuser mit Energie zu versorgen. Doch es gibt auch eine Kehrseite: Mittlerweile sind Plastikabfälle zu einem drängenden Problem geworden. Trotz seines großen Wertes wird Kunststoff viel zu oft fahrlässig und auf umweltschädigende Weise entsorgt, was Meere, Pflanzen und Tiere gefährdet.

Auch die Dringlichkeit des Klimawandels macht Veränderungen nötig: Kunststoff ist zu wertvoll, um ihn am Ende der Nutzenphase achtlos zu vergeuden. Deshalb müssen Kunststoffverpackungen stärker recyclingfähig gemacht werden und braucht es eine zukunftsweisende zirkuläre Kunststoffrevolution.

Eine Denkweise, viele Lösungen

Die Schaffung einer Kreislaufwirtschaft für Kunststoffe ist vielschichtig, es gibt keine One-fits-all-Lösung. Vielmehr geht es darum, komplementäre Ansätze und skalierbare Technologien für den gesamten Lebenszyklus von Produkten zu erforschen und einzusetzen.

Generell gilt: Bei Materialien, die aus immer knapper werdenden Rohstoffen und Ressourcen gewonnen werden, sollte die Öko-Effizienz im Vordergrund stehen. So sollten Ressourcenverbrauch und Umweltauswirkungen so gut es geht minimiert werden. Verpackungen zum Beispiel müssen so konzipiert sein, dass sie so dünn wie möglich sind, ohne an Funktionalität einzubüßen. Anschließend muss der Materialwert der Verpackungen so lange wie möglich im Kreis gehalten werden, beispielsweise mittels Wiederverwendung und Mehrwegsysteme.

Wiederauferstehung und Erneuerung

Greift ein Mehrwegsystem nicht mehr oder gelangt eine Verpackung an ihr funktionelles Ende, können Kunststoffe immer noch vielfältig recycelt werden. Die große Chance liegt dabei in der Anwendung sich ergänzender Techniken: etwa des mechanischen Recyclings, einer Methode zur Verringerung des Kohlenstoff-Fußabdrucks, zusammen mit dem chemischen Recycling, bei dem schwer zu recycelnde Materialien für anspruchsvolle Anwendungen wie Lebensmittelverpackungen zurückgeführt werden.

Linz Catalyst Plant (c)Borealis

Voraussetzung für eine richtige Kreislaufwirtschaft ist darüber hinaus, dass Verpackungen nicht nur aus recycelten Materialien, sondern auch aus erneuerbaren Rohstoffen wie Biomasse oder durch die Nutzung von Kohlenstoff aus der Atmosphäre hergestellt werden. Nur so kann es gelingen, die Herstellung von Kunststoffverpackungen vom Verbrauch fossiler Brennstoffe zu entkoppeln.

Recyclinganlage (c) Borealis-and-Tomra

Gemeinsam, stärker

Um den Fortschritt an dieser Stelle zu beschleunigen, braucht es Kooperationen quer durch die Wertschöpfungsketten. Dies geschieht aktuell durch Partnerschaften wie die eines großen Kunststoffherstellers und eines führenden Recyclingunternehmens, die gemeinsam eine der fortschrittlichsten Anlagen für das mechanische Recycling in Rheinland-Pfalz errichteten.

Hier werden mit modernster Technik Verbraucherabfälle zurück in den Kreislauf geführt. Eine ähnliche Partnerschaft zwischen Kunststoffindustrie und Recyclingunternehmen ist der jüngste Aufbau einer intelligenten Verarbeitungskette, bei der mehrere Abfallströme mit sich ergänzenden Technologien unter einem Dach recycelt werden, so dass kein Material zurückbleibt.

Immer näher dran …

Eine echte Kreislaufwirtschaft rund um Kunststoffe steckt zwar noch in den Anfängen, aber zahlreiche Technologien sind bereits im Einsatz und entwickeln sich täglich weiter. Speziell bei Kunststoffverpackungen, die zwar Ressourcen schonen, aber auch schnell wieder zu Abfall werden, sind die Fortschritte spürbar. Die Zusammenarbeit über die gesamte Wertschöpfungskette entscheidet nun darüber, wie schnell nachhaltige Umweltziele erreicht werden. Dies ist eine große Herausforderung für die Kunststoffbranche, aber auch eine echte Chance– sie muss genutzt werden.