Kunst und Kunststoffe

29. Okt 2021 | Kunst

Eine gemeine, paraphrasierte Definition von Kunst lautet: „Kunst ist alles, worüber man streiten kann“. Darüber, dass es eine enge Verbindung zwischen Kunst und Kunststoffen gibt, dürfte es wohl kaum Streit geben. Zu wichtig sind Polymere aller Art für Künstlerinnen und Künstler jeden Fachs.

Beispiel Gemälde:

Ein gemaltes Kunstwerk ohne Farbe ist unmöglich. Lange Zeit wurden die benötigten Farben aus Naturmaterialien gewonnen. Purpur, ein Rotton, wurde zum Beispiel aus Meeresschnecken gewonnen. Synthetische Farben kamen im 20. Jahrhundert hinzu. Einer der ersten, der synthetische Farbe nutzte, war der berühmte Maler Pablo Picasso. Der spanische Künstler nutzte unter anderem synthetische Farbe für sein Werk „Reading at a Table“ von 1934. Einer der Vorteile für den Künstler: Die synthetischen Farben trockneten schneller.

100 Jahre Bühnenbild Karoline Hinz EPS

Beispiel darstellende Kunst:

Expandierbares Polystyrol (EPS), auch als Styropor® bekannt und mittlerweile 70 Jahre am Markt, wird gerne von Theater- und Filmschaffenden verwendet, weil es leicht zu formen ist und wenig wiegt. Es besteht zu 98 Prozent aus Luft. Vorteile, die die deutsche Bühnenbildnerin Karoline Hinz schätzt. Sie erschafft aus dem Material fantasievolle Hintergründe und erweckt damit die Produktionskulissen zum Leben. „Der Werkstoff hat sich seit vielen Jahren als Material für kurzweilige, überdimensionierte Installationen und Bühnenbilder etabliert, da es vergleichsweise günstig und einfach zu verarbeiten ist. Die Leichtigkeit erleichtert auch den Auf- und Abbau enorm“, sagt die Künstlerin.

Beispiel Musik:

Wie viele legendäre Solos von Charlie Watts oder Ringo Starr wären wohl ohne belastbare Schlagzeugfelle aus Polyester oder Nylon entstanden? Und Vinylplatten, bei Musikliebhabern besonders beliebt, konnten diese Musik erst groß und einer breiten Masse an Fans beliebt machen.

Ringo Star Schlagzeugfell Polyester Nylon
K67 car BMW und Bayer 1967

Beispiel Design:

Die Vielfalt, mit denen die verschiedenen Kunststoffarten verwendet werden können, boten insbesondere Designern viele Freiheiten. Berühmt wurden die Bauhausmeister, die nach dem ersten Weltkrieg von Weimar und Dessau aus mit den neuen, oftmals günstigeren Materialien die Design-Welt revolutionierten. Später gab es immer wieder Bahnbrechende Designs: 1962 wurde der PANTON Stapelstuhl entwickelt. Ein Stuhl aus einem Stück und ohne Hinterbeine. Ende der 1960er Jahre wurde dieser erstmals in Serie gefertigt wurde – aus Polyurethan. Und zur Kunststoffmesse 1967 wurde ein Auto komplett aus Kunststoff von BMW und Bayer entwickelt.

Triumph moderner Kunst

Jüngst sorgte die Christo-Verhüllung eines Pariser Wahrzeichens für Furore und löste Besucherstaunen aus: Der Pariser Triumphbogen wurde für das Kunstwerk „L’Arc de Triomphe, Wrapped“ mit 25.000 Quadratmetern Stoff verhüllt. Für 16 Tage im September und Oktober 2021 sorgten die leichten Kunststoffbahnen dafür, dass der Arc de Triomphe zu einer einzigartigen riesenhaften Skulptur wurde, die Sinnlichkeit ausstrahlte und dank des Windes quasi lebte.

Keine Frage: Die Möglichkeiten, die Kunststoffe der modernen Kunst bieten, sind noch lange nicht ausgeschöpft!

L'Arc de Triomphe Wrapped Stoffbahnen Kunststoff 2