Engagement für die Zukunft

20. Dez 2021 | Zukunftsbranche

Zukunftsbranche

Es gibt diese ikonischen Momente, die Narrative prägen, Diskussionen einleiten und Veränderungen bewirken. Auch die Klimadebatte hat drei solcher Momente erlebt: Eine schwedische Schülerin, die mit ihrem Protest vor dem Parlament in Stockholm eine globale Bewegung startet. Ein australischer Premierminister, der – noch als Minister – im Parlament ein Stück Kohle präsentiert und für die Ausbeutung nationaler Kohlevorkommen eintritt. Ein aus einer Wasserflasche trinkender Koala während in seinem natürlichen Habitat verheerende Buschfeuer wüten. Auch unsere Industrie hat womöglich einen dieser ikonischen Momente zu bieten, mit dem der Klimawandel wirksam begegnet wird: Die Eröffnung der ersten Anlage, in der Kohlendioxid für die Kunststoff-Produktion eingesetzt wird. Denn: Kunststoffe sind essenziell zum Erreichen unserer ambitionierten Klimaziele. Und jetzt macht sich die Branche daran, dass ihre Herstellung grüner und nachhaltiger wird!

Aus alt wird immer öfter neu

Auch Corona konnte die Entwicklung nicht stoppen: Etwa die zahlreichen Investitionen der kunststofferzeugenden Industrie in Unternehmen, die im mechanischen Recycling aktiv sind, bei denen also Kunststoffabfälle zerkleinert und wieder zu Produkten verarbeitet werden. Mehr noch: Mit dem Erwerb von Sammel- und Recyclingunternehmen wollen Kunststofferzeuger ihren Zugriff auf Rezyklate sichern und vermehrt zum Anbieter von Werkstoffen mit Rezyklatgehalt werden. In den vergangenen Jahren kam es bereits zu mehreren Akquisen dieser Art, etwa durch einen österreichischen Kunststoffhersteller, einen französischen Petrochemiekonzern und ein Hamburger Kunststoff- und Chemie-Unternehmen in Familienhand – alle drei übrigens Teil des Kunststofferzeuger-Verbandes Plastics Europe.

Was diese Firmen eint? Sie alle wollen zum wichtigen Akteur in der Kreislaufwirtschaft werden. Und der Weg dahin reicht weit über solche Aufkäufe und Initiativen einzelner Unternehmen hinaus: die Produktion von Kunststoffen mit grünem Strom; das Treibhausgas CO2 als Rohstoff für die Herstellung von Polymerbausteinen; Pilotanlagen zur Förderung des Chemischen Recyclings von Plastikabfällen und erste daraus gewonnene Erzeugnisse; erweiterte Design-for-Sustainability-Lösungen, dank denen mehr Verpackungen, Elektroartikel und weitere Produkte recyclingfähig werden. Die Richtung ist eindeutig, wie dieser Beitrag der Initiative „Wir sind Kunststoff“ zeigt.


Eco-Design bei Laufschuhen: Nicht nur der Langstreckenläufer dreht seine Runden, auch sein Schuh folgt diesem Weg am Lebensende!

Klimaneutral? Ja bitte! Aber wie?

Viele kunststofferzeugende Unternehmen in Europa haben sich zum Ziel gesetzt, in den kommenden 15 bis 20 Jahren klimaneutral zu werden. Dafür braucht es neben den bereits genannten Verfahren und Fortschritten weitere Technologien wie beispielsweise das Abscheiden und die Verwendung von CO2 (abgekürzt CCU) sowie hohe Investitionen in grünen Strom. Gerade letzteres gewinnt mehr und mehr an Bedeutung, da parallel zur Förderung der Kreislaufwirtschaft immer mehr Prozessschritte in der Chemie- und Kunststoffindustrie elektrifiziert werden.

Dazu passt, dass drei große Unternehmen gemeinsam an der Realisierung des weltweit ersten elektrisch beheizten Steamcracker-Pilotofens in Deutschland arbeiten. Im Vergleich zu herkömmlichen Anlagen würde das die Produktion von Basischemikalien für Kunststoffe nahezu CO2-frei ermöglichen. Der Betrieb einer Pilotanlage soll bereits ab 2023 starten. Allerdings braucht es für diese Transformation unserer Industrie und für weitere solche Erfolgsmeldungen auch die Unterstützung und den Willen aus der Politik. Die Industrie wird die für die Klimaneutralität erforderlichen hohen Investitionen nicht allein stemmen können. So gilt es, noch mehr Schwung beim Ausbau der Erneuerbaren zu erreichen und Stromkosten wettbewerbsfähig zu halten. Und es braucht seitens Politik und Gesellschaft mehr Offenheit für neue Technologien, mehr Vertrauen in den Fortschritt. Wird das erreicht, können Investitionen noch gezielter als bislang in nachhaltige Wertschöpfungsketten fließen.

Fakten für die Nachhaltigkeitsdebatte

Ende des Jahres 2021 ist die aktuelle Ausgabe von „Plastics – the Facts 2021“ erschienen. Die jährliche Publikation liefert die neuesten europäischen Daten zu Kunststoffproduktion, -nachfrage und -abfallmanagement – und ist damit ein wichtiges Kompendium auch für die Diskussion um mehr Nachhaltigkeit in der Branche.